Links vom topf (3)

Links vom topf (3)

Im aktuellen “Spiegel” schreibt Redakteur Martin U. Müller über einen fehlerhaften “Bunte”-Artikel zum Prozess von Franziska van Almsicks Lebensgefährten:

Eine Woche vor “Bunte” hatte “Gala” über den Fall berichtet und ebenfalls die falschen Vorwürfe genannt. Hat “Bunte” aus der “Gala” abgeschrieben?

“Bunte”: Sehr schön, sehr falsch


In unserer Rubrik “Links vom topf” wollen wir Euch kurz und knapp interessante Links rund ums Thema “Regenbogenpresse” präsentieren.

Wenn Ihr also in den Weiten des Internets auf Interessantes zur Klatsch- und Regenbogenpresse stoßt, schickt uns gern den Link an linksvomtopf@topfvollgold.de.


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“Wie eine Folge Traumschiff”

“Wie eine Folge Traumschiff”

Die Redakteure Alexander Kühn und Maximilian Popp berichteten im vergangenen Spiegel über die Regenbogenpresse in Deutschland. Popp hat dafür zwei Tage den Hamburger Deltapark Verlag besucht, Kühn einen großen Berg an Regenbogenheftchen durchgearbeitet.

Wir haben mit ihnen über Redaktionskonferenzen und den Kauf von Regenbogenheften gesprochen.

Simple Storys

Herr Popp, Sie haben für Ihre Geschichte einen Regenbogenverlag besucht. War es schwierig, an diesen Termin zu kommen?

Popp: Es war nicht so schwierig, wie wir uns das vorgestellt haben. Beim Deltapark Verlag war man uns gegenüber sehr offen. An den zwei Tagen, an denen ich dort war, habe ich einen ganz guten Einblick in den Arbeitsalltag der Mitarbeiter bekommen. Ich konnte mit dem Verleger sprechen, mit dem Chefredakteur, mit Redakteurinnen. Das war alles ganz unkompliziert. Ich glaube, die Leute vom Deltapark Verlag haben sich sogar gefreut, dass jemand von außerhalb Interesse für ihre Arbeit zeigt. Das ist ja ein vergleichsweise kleiner und junger Verlag.

Sie schreiben auch über eine Redaktionskonferenz. War das eine Inszenierung für die Besucher vom Spiegel?

Popp: Die Konferenz wirkte authentisch. Wir haben dem Verlag von Anfang an gesagt, dass wir herausfinden wollen, wie ihre Arbeit aussieht und wie sie Journalismus verstehen. Der Text ist nicht als Abrechnung gemeint, sondern als eine Beschreibung der fremden Welt der Regenbogenpresse. Dennoch war die Konferenz anders als die Konferenzen, die ich so kenne. Es kommt schließlich selten vor, dass man in einer Besprechung für mehrere Zeitungen gleichzeitig plant.

Sonst gab es keinen Unterschied?

Popp: Mich hat das ein bisschen an Diskussionen bei einer Lokalzeitung erinnert. Der Chefredakteur hat nicht unsympathisch moderiert, die Geschichten wurden besprochen. Die Konferenz wirkte nicht unprofessionell. Die meiste journalistische Energie steckt die Redaktion in Themen wie Gesundheit, Wellness und Beauty. Da sind sie von einem professionellen Journalismus nicht weit entfernt. Trashiger und bedenklicher wird es bei den Promi-Themen. Denn da verschwimmt die Grenze zwischen Dichtung und Wahrheit ganz offensichtlich.

Ging es bei der Sitzung auch um moralische oder rechtliche Aspekte?

Popp: Nicht in der Konferenz, bei der ich dabei war. Allerdings wurden da auch keine Themen besprochen, bei denen das nötig gewesen wäre.

Der Verlagsgründer Klaus Schumacher sagte Ihnen, dass die Deltapark-Zeitschriften — im Gegensatz zu sonstigen Nachrichten, in denen es immer nur um Terror und Krieg gehe — Geschichten über die schönen Seiten des Lebens liefern. Meinte er das ernst?

Kühn: Klar, und zum Teil stimmt das ja auch. Die Yellow-Press-Leserin darf in die Villen von Film- und Schlagerstars hineinschauen und in prunkvolle Königshäuser und hat dabei das Gefühl, dass etwas von dem Glanz in ihr eigenes Wohnzimmer hineinstrahlt. Andererseits liest sie in den Geschichten auch vom vermeintlichen Elend der Reichen und Schönen. Wenn der einsamen Oma zuhause in ihrem Sessel suggeriert wird, dass die abgedankte Beatrix möglicherweise Alzheimer hat, relativiert das ihr eigenes Leid.

War der Besuch beim Deltapark Verlag für Sie ein Ausflug auf die böse Seite des Journalismus?

Popp: Ich würde diese Unterteilung in gut und böse oder richtig und falsch nicht machen. Bedenklich finde ich es aber schon, wie die Regenbogenpresse arbeitet und was sie in ihren Heften druckt. Das geht immer zulasten der Personen, über die berichtet wird. Und es ist den Lesern gegenüber nicht aufrichtig.

Kühn: Für mich stellt sich diese Frage nicht. Das ist ja kein Journalismus. Außer dass die natürlich auch Papier bedrucken. Es sind Fortsetzungsromane. Die meisten Geschichten haben so viel mit der Realität zu tun wie eine Folge “Traumschiff” oder “Landarzt”.

Warum bekommt die Regenbogenpresse dann so wenig kritische Beachtung?

Kühn: Die meisten Medienjournalisten nehmen dieses Segment gar nicht wahr. Das ist ihnen zu trashig, zu altbacken. Diese Zeitschriften liest ja keiner privat, niemand schaut freiwillig in dieses Kaleidoskop des Schreckens. Ich selbst bin da vielleicht eine Ausnahme, ich habe noch eine gewisse persönliche Bindung zu diesen Blättern, weil ich sie schon als Siebenjähriger bei meiner Omi durchgeblättert habe. Damals dachte ich, dass da tatsächlich wahre Geschichten über Prominente drinstehen. Wenn ich sie heute durchblättere, gruselt es mich dann doch ein bisschen. Für unsere Recherche hatte ich mir einen ganzen Stapel Hefte am Berliner Hauptbahnhof gekauft. An der Kasse habe ich dann besonders laut gesagt, dass ich gern einen Beleg haben möchte. Damit jeder mitbekommt, dass ich mir diese Lektüre nur aus beruflichen Gründen antue.


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