Keine Nächte voller Sorge

Keine Nächte voller Sorge

Vor ein paar Tagen haben wir darüber berichtet, dass die “Woche der Frau” eine Gegendarstellung von Günther Jauch auf der Titelseite abdrucken musste.

In dieser Woche hat es eine weiteres Regenbogenheft erwischt: “das neue” aus dem Bauer-Verlag. Die Gegendarstellung – diesmal erwirkt von Stephanie und Karl-Theodor zu Guttenberg – ist wahrlich ein besonders schönes Exemplar:[Auf der Titelseite:] Gegendarstellung - Auf der Titelseite von "das neue" Nr. 9 vom 23. Februar 2013 heißt es: KARL-THEODOR UND STEPHANIE ZU GUTTENBERG Große Angst um ihre Töchter! ... Die Nächte voller Sorge! - Hierzu stellen wir fest: Weder haben wir Angst um unsere Töchter, noch gibt es Nächte voller Sorge. - Berlin, den 27. Februar 2013 - Stephanie zu Guttenberg Karl Theodor zu Guttenberg - Herr und Frau zu Guttenberg haben Recht. Die Redaktion.


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Sind die noch zu retten?

Sind die noch zu retten?

Die aktuelle “Woche der Frau” sieht ein wenig anders aus als sonst:[Auf der Titelseite ist unten links ein großer, grüner Kasten, in dem steht:] Gegendarstellung - Auf der Titelseite von "WOCHE der FRAU" vom 29. Februar 2013 schreiben Sie über mich: "GÜNTHER JAUCH - Sterbedrama um seinen besten Freund - Hätte er ihn damals retten können?" - Hierzu stelle ich fest: Ich hatte keine Möglichkeit, meinen Freund zu retten, da er aufgrund einer Erkrankung verstorben ist, auf die ich keinerlei Einfluss hatte. - Potsdam, den 09. März 2012 - Günther Jauch - Herr Hauch hat Recht. Die Redaktion.

Die Gegendarstellung ist das Ergebnis eines Rechtsstreits zwischen Günther Jauch und dem Klambt-Verlag. Das Landgericht Frankenthal hatte den Verlag im April 2012 in einem Urteil dazu verpflichtet, sie auf der Titelseite abzudrucken.

In der Begründung hieß es unter anderem, die Frage (“Hätte er ihn damals retten können?”) sei “keine echte Frage”; vielmehr beinhalte sie “eine Behauptung, welche einer Gegendarstellung zugänglich ist.”

Betrachtet man die streitgegenständliche Äußerung verbunden mit dem unstreitigen, auch im Innenteil der Ausgabe wiedergegebenen Sachverhalt, ergibt sich eindeutig, dass die auf der Titelseite gestellte Frage nicht ergebnisoffen ist, sondern eindeutig nur mit “Nein” beantwortet werden kann.

Die Kammer kam zu dem Schluss, die Frage erscheine “als aus der Luft gegriffen und lediglich zum Zwecke der Produktion einer auflagenfördernden Schlagzeile formuliert”.

Die Berufung des Klambt-Verlags wurde vom Pfälzischen Oberlandesgericht zurückgewiesen.

Dieser ganze Fall ist einerseits ein gutes Zeichen. Er zeigt, dass sich die Redaktionen nicht vor juristischen Konsequenzen schützen können, indem sie ihre Märchenschlagzeilen mit einem unschuldigen Fragezeichen versehen. Er zeigt auch, dass es durchaus möglich ist, erfolgreich gegen die Regenbogenpresse vorzugehen, wenn man als Prominenter nur einigermaßen hartnäckig ist.

Einerseits.

Andererseits ist es ja doch hoffnunglos.

Man muss nur zwei Mal umblättern. Dann stößt man in der “Woche der Frau” — in derselben verdammten Ausgabe! — auf diesen Artikel:Pierce Brosnan - Hätte er Charlotte retten können?Charlotte, Brosnans Tochter, ist an Krebs gestorben.


Siehe auch: Pressemitteilung von Günther Jauchs Anwalt


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