Tränen lügen nicht
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Tränen lügen nicht

Die Wühlmäuse der “Heim und Welt” haben sich mal wieder in ein europäisches Adelshaus geschlichen und können von dort Exklusives berichten. Sie waren nämlich dabei, als Willem-Alexander, König der Niederlande, überraschend Besuch bekam:

Sein Blick wandert zum Fenster. Und während er sich irgendwo in der Ferne verliert, lässt Willem-Alexander die ereignisreichen vergangenen Monate innerlich Revue passieren. Plötzlich holt ihn ein Klopfen aus seinen Gedanken. Mit einem leichten Knarren öffnet sich die Tür, und Beatrix betritt den Raum.

Und es scheint schieres Reporterglück zu sein, dass Mutter Beatrix mit ihrem Sohn nicht einfach nur über die Fußballergebnisse vom Wochenende oder das Wetter quatschen will, sondern die ganz großen Worte wählt:

Willem-Alexander spürt sofort, dass seiner Mutter etwas auf die Seele drückt. Er bittet seinen Überraschungsgast zu der kleinen Sitzgruppe in einer Ecke seines Büros. Als der König und seine Mutter dort Platz genommen haben, nimmt Beatrix die Hand des Königs, hält sie ganz fest und sagt mit leicht brüchiger Stimme: “Ich bin stolz auf dich, mein Sohn. Du bist der beste König, den sich die Niederländer jemals hätten vorstellen können.” Welch warme, von Herzen kommende Worte der einstigen Königin! Willem-Alexander ist tief bewegt. Das Geständnis seiner Mutter rührt ihn zu Tränen!

Was für eine Story! Diese Demut! Diese Menschlichkeit! Ist natürlich logisch, dass die “Heim und Welt” diese Knallernachricht auf die Titelseite packt:

Willem-Alexander - Das Geständnis seiner Mutter rührt ihn zu Tränen

Der Einstieg zu dieser ganz tollen Geschichte lautet übrigens so:

Zufrieden klappt Willem-Alexander (46) die Arbeitsmappe auf seinem Schreibtisch zu und legt sie zur Seite. Da fällt ihm der Kalender ins Auge, in dem der 27. April farbig markiert ist. Denn dieses Datum ist ein ganz besonderes: Zum ersten Mal wird Willem-Alexander dort mit den Niederländern den Königstag zu seinen Ehren feiern!

In diesem Moment muss ein Sonnenstrahl, der sich seinen Weg durch den königlichen Garten hinein in den Palast gebahnt hat, dem “Heim und Welt”-Reporter einen Streich gespielt und ihn geblendet haben. Denn der Königstag findet in der Tat immer am 27. April statt, an Willem-Alexanders Geburtstag. Nur in diesem Jahr nicht. Weil der 27. ein Sonntag ist, wird der Königstag 2014 schon einen Tag früher gefeiert.

Pardon, liebe Träumer der “Heim und Welt”, jetzt müssen wir doch mal ganz offen fragen: Kann es sein, dass Ihr kleinen Schwindler Euch nicht nur die Markierung im Willem-Alexanders Terminkalender ausgedacht habt, sondern auch den gesamten Rest der Geschichte?


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Kommentare:

  1. Im Zweifelsfall für den Enthüllungsjournalist.
    Seit dem Murdochgate wissen wir, daß Rechercheure hacken und nachhacken können.
    Kluge Menschen kommen an exklusive Infos, ohne physisch dabei zu sein.
    Im Namen des Quellenschutzes kann “Heim und Welt” die Schweigepflicht nicht brechen. Ob Cams, Drohnen, gekappte Ü-Kameras oder Bakschischs im Spiel waren, ist unklar, fest steht nur, „Beatrix hat geweint und ihr Sohn war zu Tränen gerührt.“
    Das ist für mich eine glaubhafte Information.
    Daß ToVoGo sie anzweifelt, zeigt daß sie neidisch sind.
    Sie kritisieren die Reportage von HuW ohne Gegenbeweise zu liefern.
    Es kommt mir seltsam fremd vor oder wie Engländer sagen: „strange in the Neid“.

  2. Ein weiterer Haken an der Geschichte ist, dass die koeniglichen Arbeitszimmer (die sich in Den Haag befinden) sich nicht in der koeniglichen Residenz, die etwas ausserhalb von Den Haag liegt, befinden.

    Du bist der beste König, den sich die Niederländer jemals hätten vorstellen können
    kann schon sein… in den paar vorherigen Generationen gab es ja nur Koeniginnen, da ist es leicht, der “beste Koenig” zu werden. :D

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