Ultraschall und Rauch
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Ultraschall und Rauch

Am Freitag haben wir uns mit detektor.fm über die “7 Tage” unterhalten. Und zwar ging es um diese Geschichte:

Fürstin Charlene - Erste Baby-Aufnahmen - Zeigen die Ultraschall-Fotos wirklich zwei Söhne?

Das Gespräch könnt Ihr hier nachhören …

detektor.fm: Diese Woche, da wird’s mal wieder Royal. Was habt Ihr denn ausgebuddelt?

Mats: Dieses Mal ist es eine Geschichte über Charlène von Monaco. Die ist ja schwanger, wie wir mittlerweile alle wissen, und da geht es jetzt auch so langsam auf die Zielgerade. Und deswegen wir nur da ganz besonders wild spekuliert momentan.

Moritz: Und die Spekulationen treiben da wirklich wilde Blüten. Man findet auf den Titelseiten immer wieder die Vermutung, dass sie gar nicht schwanger ist, sondern vielleicht eine Leihmutterschaft macht, weil sie noch recht durchtrainiert ist. Charlène, das muss man dazu wissen, ist eine ehemalige Profi-Schwimmerin, immer schon sehr sportlich, sehr durchtrainiert gewesen. Nun gibt’s die Gerüchte, dass sie Zwillinge haben soll, und trotzdem sieht man noch nicht so einen richtigen Babybauch. Das ist also die grundlegende Situation in Monaco. Und die Geschichte, die wir uns für diese Woche rausgesucht haben, stammt von der “7 Tage”. Die verspricht auf der Titelseite nämlich, “erste Baby-Aufnahmen” irgendwie in der Geschichte zu haben.

Und dann, wie geht’s weiter? Das kann ja nicht alles sein.

Mats: Die Unterzeile ist: “Zeigen die Ultraschall-Fotos wirklich zwei Söhne?” Da wird schonmal auf dem Titel der Eindruck erweckt, die Redaktion hätte exklusive Ultraschall-Fotos ausgebuddelt. Was aber natürlich gar nicht stimmt, sondern: Es ist tatsächlich ein Ultraschall-Foto von Zwillingen, aber nur irgendeins. Das geben sie auch zu, denn in der Bildunterschrift steht: “Nicht Charlenes Baby — aber so sieht ein Ultraschall-Foto von Zwillingen aus”. Das ist im Grunde schon die Grundlage der Geschichte.

Ist das jetzt eine beliebte Taktik von Boulevardmedien zu sagen, wir haben etwas nicht und deshalb kauft uns?

Moritz: Dass sie es nicht haben, sagen sie ja zumindest nicht auf der Titelseite. Da wird ja tatsächlich der Eindruck erweckt, als gäbe es jetzt irgendwie erste Baby-Aufnahmen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das schonmal die erste Kaufhürde überschreitet. Die geneigte Leserin wird sich dann denken: “Ach, hier, erste Baby-Aufnahmen — wie süß! Da greife ich mal zu” und legt es dann in den Einkaufswagen. Und schon sind wieder 1,60 Euro weg. Innendrin wird es dann ja aufgelöst, und uns hat die Geschichte tatsächlich an eine bestimmte Methode erinnert. Denn vor gar nicht allzu langer Zeit hatte schon einmal die “Freizeit Express” eine ganz ähnliche Geschichte. Das war, als Kate noch mit Baby George schwanger war. Und auch dort wurde auf der Titelseite versprochen: Ach, wie süß — Ultraschall-Babyfotos. Und das kleine Kind nuckelt sogar schon am Daumen. Das soll man angeblich sehen auf den Ultraschall-Bildern. Genauso wie jetzt bei der “7 Tage” die Auflösung: Pustekuchen! Die Bilder haben wir gar nicht.

Reagieren denn die Promis eigentlich auf sowas?

Mats: Bei Promis im Ausland ist es eher selten, dass sie reagieren. Aber es kommt durchaus vor. Vor Kurzem war es, glaube ich, Madeleine von Schweden, die mit Hilfe eines deutschen Anwalts gegen eine Redaktion vorgegangen ist. Aber ich würde mal bezweifeln, dass Charlène dagegen vorgeht, wenn sie überhaupt davon mitbekommen hat. Was ich aber noch interessant finde an der Geschichte: Dass die Redaktion sich schon fast darüber beschwert oder empört, dass es so viele Spekulationen gibt momentan — ob es Drillinge sind, ob es Zwillinge sind, ob sie überhaupt schwanger ist. Sie beschweren sich also ein bisschen darüber, aber im Grunde machen sie mit der Geschichte nichts anderes, als zu den Spekulationen beizutragen. Gerade mit der Titelseite, wo sie die Frage stellen “Zeigen die Ultraschall-Fotos wirklich zwei Söhne?” — das ist einfach nur eine weitere Spekulation.

Moritz: Und diese Bigotterie wird noch auf die Spitze getrieben, wenn man sich den Artikel dann mal durchliest. Denn dort geht es um eine Journalistin namens Tiffany Cantero, und die soll die Ultraschall-Babyfotos überhaupt erst ins Spiel gebracht haben, weil sie in einem Radiointerview wohl gesagt hat, dass sie diese Fotos tatsächlich besitzt. Gezeigt hat sie die noch nie. Und deswegen vermutet die “7 Tage”, dass diese Tiffany sich eigentlich doch nur wichtig machen will und den kurzen Ruhm sucht. Naja, das könnte man auch sehr schnell auf die “7 Tage” ummünzen, wenn man auf der Titelseite schon verspricht, Babyfotos zu haben, und die gar nicht zeigt — das ist ganz genau das, was Tiffany Cantero auch macht.


Jeden Freitag unterhalten wir uns mit dem Internetradiosender detektor.fm über die Dämlichkeiten der deutschen Regenbogenpresse. Diese Gespräche gibt’s am Montag immer hier bei uns im Blog zum Nachhören.

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