Vertritt der DJV auch die Regenbogenpresse, Frau Kaiser?
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Vertritt der DJV auch die Regenbogenpresse, Frau Kaiser?

Ulrike Kaiser ist nicht nur Medienjournalistin, sie ist auch Gewerkschafterin beim Deutschen Journalisten Verband. Als stellvertretende Vorsitzende gehört sie seit Ende 2007 zum DJV-Bundesvorstand.

Wir haben uns mit ihr über den Journalisten-Status von Regenbogenredakteuren und ihre Aufnahme in den DJV unterhalten.

Ulrike Kaiser, stellvertretende Bundesvorsitzende DJV

(Foto: Anja Cord)

Frau Kaiser, handelt es sich bei den Mitgliedern der Regenbogenredaktionen um Journalisten?

Nun, sie sind an der Verbreitung von Informationen in Wort und Bild an ein sogenanntes disperses Publikum beteiligt. Das ist eine Definition von Journalismus. Ob sie den journalistischen Ansprüchen genügen, ist eine zweite Frage. Das hängt davon ab, wie sie arbeiten und ob sie den Pressekodex des Deutschen Presserates einhalten.

Aber der Pressekodex scheint bei vielen Regenbogenheften nun nicht gerade das Ideal zu sein, an dem sie sich bei ihrer Berichterstattung orientieren.

Wir wissen, dass es immer noch haarsträubende Geschichten gibt. Sie selbst bringen ja in Ihrem Blog auch viele Beispiele dafür. Aber ich denke, dass die Redaktionen inzwischen ein bisschen vorsichtiger geworden sind, weil die Prominenz häufig auch rechtlich gegen die unwahren Tatsachenbehauptungen vorgeht. Und weil die Preise vor Gericht inzwischen steigen.

Schaut man sich die Blätter mal genauer an, sieht man, dass sie oft selbst Ereignisse schaffen, über die sie dann berichten. Das klingt für uns nicht besonders journalistisch.

Viele der Geschichten sind kaum justiziabel, weil sie im Bereich der Spekulationen und sehr im Vagen bleiben. Wir sollten aber nicht vollkommen übersehen, dass manche dieser scheinbaren Enthüllungen auch wirklich in trauter Gemeinsamkeit mit den jeweiligen Prominenten publiziert werden.

Daneben gibt es dennoch reichlich Verdrehungen von Tatsachen, es gibt üble Nachrede und Verleumdungen in diesen Heften. Wie sieht der DJV die Arbeit der Regenbogenjournalisten?

Die Regenbogenpresse muss einem nicht gefallen. Und mir persönlich gefällt sie auch nicht. Aber es gibt einen großen Markt für solche Geschichten über den Hochadel und Showstars. Und der wird mit diesen Heften bedient. Ich denke, dass es eine Art Grundbedürfnis von vielen Menschen an diesem trivialen Klatsch und an Heile-Welt-Geschichten gibt. Man muss sich fragen, ob das Publikum diese Geschichten selber wirklich ernst nimmt oder ob es sie als moderne Unterhaltungsmärchen betrachtet.
Wir sollten aber auch nicht vergessen, dass es neben diesen Spekulationen und Gerüchten, die immer in Fragezeichen-Form ausgeschlachtet werden, auch jede Menge Service gibt, also von Gesundheitstipps über Kochrezepte bis zu Rätseln. Das ist eine bunte Lesemischung.

Könnte ich als Regenbogenredakteur bei Ihnen im DJV ganz normales Mitglied werden?

Natürlich. Wir vertreten die Belange aller Journalistinnen und Journalisten. Und das machen wir als DJV mit dem gleichen Engagement für Mitarbeiter einer Regionalzeitung wie für Mitarbeiter der Yellow Press. Wir dürfen nicht vergessen: Wenn sich Journalistinnen und Journalisten an den DJV wenden, dann sind die Anliegen in der Regel gleich. Das geht dann durchweg um Probleme mit dem Arbeit- beziehungsweise mit dem Auftraggeber. Und da unterscheiden wir in der Vertretung ihrer Interessen nicht in der Frage, von welchem Blatt sie kommen oder wer ihnen Honorarzahlungen schuldig bleibt.

Der DJV schreibt in seinen Aufnahmerichtlinien, Mitglied könne werden, wer an der Erarbeitung und Verbreitung von Informationen beteiligt ist, und zwar vornehmlich durch Recherchieren. Das passt doch nun ganz und gar nicht zur Regenbogenpresse.

Als Journalisten sind die Mitarbeiter der Regenbogenpresse generell zu bezeichnen. Die journalistische Qualität macht sich hinterher daran klar, inwieweit sie sich tatsächlich nach dem Pressekodex richten und ihrer Professionalität nachkommen. Und ich glaube, da sind wir uns einig, dass das bei der Regenbogenpresse nicht immer der Fall ist.

Aber dann müssten Sie die Mitgliedschaften der Schreiber dieser Verdrehungsgeschichten doch sofort kündigen.

Es geht bei unserer Arbeit ja darum, die Arbeitnehmerinteressen von Journalistinnen und Journalisten zu vertreten. Und wir gehen davon aus, dass es nicht immer im Verschulden des einzelnen Journalisten liegt, ob er sich an den Pressekodex halten kann oder nicht. Man muss bedenken, dass die Journalistinnen und Journalisten unter einem ziemlichen Druck stehen, der aus den Verlagen kommt. Dabei geht es dann um die Ausrichtung des jeweiligen Blattes. Und da geraten Journalistinnen und Journalisten unter bestimmte Handlungszwänge, die man nicht immer mit individuellem Verschulden gleichsetzen kann.

Sie haben 22 Jahre lang das DJV-Medienmagazin “journalist” geleitet. Wie war Ihre Erfahrung mit kritischer Berichterstattung über die Regenbogenpresse?

Insgesamt habe ich beobachtet, dass es sich hier um ein relativ verwaistes Feld handelt. Ich habe mich immer bemüht, ab und an auf die Klatsch- und Regenbogenpresse zu sprechen zu kommen. Innerhalb der 22 Jahre haben wir drei oder vier Titelgeschichten zu dem Thema gemacht. Allzu häufig kam es also nicht vor.

Woran liegt das?

Ich denke, dass von Seiten der professionellen Journalisten nur wenige selber diese Hefte lesen und dass die Regenbogenpresse von der Medienkritik eher als Trivialjournalismus gesehen wird, der nicht ernst zu nehmen ist. Man setzt sich als Medienkritiker lieber mit dem ernsten Genre im Journalismus auseinander.

Sie sind Mitbegründerin der Initiative Qualität im Journalismus. Haben Sie bei der Gründung auch an Hefte wie “Freizeit Spaß” und “frau aktuell” gedacht?

Nein, wir wollen uns mit der Qualität im ernsthaften Part der Medien auseinandersetzen. Da haben wir genug zu tun.


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