Wie wir mal aus Versehen für “Wetten, dass..?” gearbeitet haben
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Wie wir mal aus Versehen für “Wetten, dass..?” gearbeitet haben

Gestern Abend war Helene Fischer zu Gast bei “Wetten, dass..?” Und zu unserer Verblüffung sprach Markus Lanz sofort ein ganz bestimmtes Thema an: die Regenbogenpresse.

Man muss dazu sagen: Es gibt weit und breit keinen einzigen Promi, der auch nur annähernd so oft in diesen Lügenheftchen vorkommt wie Helene Fischer. Umso bedauerlicher ist es, dass sie sich nur selten über diese Form des, nun ja, “Journalismus” äußert. Auf der Couch bei Lanz aber tat sie das jetzt — zumindest ein bisschen.

Für uns natürlich eine spannende Sache. Auch deshalb, weil die Leute von “Wetten, dass..?” ganz offenbar heimliche topfvollgold-Leser sind. Aber fangen wir vorne an.

Auftritt Helene Fischer. Sie nimmt auf der Gäste-Couch platz und ist ganz entzückt darüber, dass sie neben Harrison Ford sitzen darf. Als sie ihm das Knie tätschelt, warnt Markus Lanz:

Ihr müsst wirklich vorsichtig sein, sonst geht’s hier gleich wieder los, die Kollegen von der Regenbogenpresse schreiben immer mit.

Helene Fischer: Ja …

Markus Lanz: Und wir haben festgestellt bei der Recherche rund um Helene Fischer: Es gibt wenig Menschen, die so oft diesbezüglich in Mitleidenschaft gezogen werden.

Wir wissen auch ganz genau, wo sie das recherchiert haben.

Markus Lanz [wendet sich an Helene Fischer]: Und was ich nicht wusste, hab’ ich neulich gelesen an der Supermarktkasse: Wir beiden haben was zusammen. Warum sagt mir das keiner?

Helene Fischer: Das wusste ich auch nicht! Verrückt!

Markus Lanz: Ja, das ist die Schlagzeile dazu, schau mal:

Screenshot: ZDF MediathekMoment mal. Das kommt uns doch irgendwie bekannt vor. Ach so, deshalb:

H. Fischer & M. Lanz - Gemeinsame Zukunftspläne? Sagen beide Ja?

Da hat die “Wetten, dass..?”-Redaktion einfach mal frech unseren Ausriss geklaut. Von wegen Supermarktkasse!

Aber gut, hören wir erst mal, was H. Fischer & M. Lanz dazu sagen – hat man ja auch nicht alle Tage, dass die Protagonisten eines Regenbogen-Märchens live und vor Millionen Zuschauern eine von uns entdeckte Schlagzeile kommentieren.

Markus Lanz: Die gab’s so wirklich, ne?

Helene Fischer: Ja … Aber du bist ja nicht drauf eingegangen. Ich hab dich schon gefragt, aber…

Markus Lanz: Ja, mir hat das keiner gesagt … Du hättest mir das schicken müsssen: Ja, Nein, Vielleicht – hätt’ ich angekreuzt.

Helene Fischer Ja …

Merkus Lanz: Irgendwie sowas, irgendwas Nettes.

Ähm, ja. Das war’s dann leider auch schon. Aber Lanz hat noch einen zweiten Ausriss parat.

Wir haben andere, schau mal, noch mehr so wahnsinnige Schlagzeilen von dir gefunden. Pass auf:

Screenshot: ZDF MediathekNa, liebe Leute vom ZDF, wo habt Ihr das denn gefunden?

Helene Fischer: Oh …

Markus Lanz: Was sind deine sieben kleinen Geheimnisse, Helene?

Helene Fischer: Ja, das würde ich auch gerne wissen. [Pause] Ach so, die Auflösung kommt jetzt nicht? Ach so.

Markus Lanz: Ne …

Mensch, ZDF! Da holt Ihr Helene Fischer in die Show, zeigt ihr die Schlagzeilen aus der Regenbogenpresse, aber dann verratet Ihr nicht, was sich tatsächlich dahinter verbirgt? Aber das ist doch gerade der Witz an der Sache!

Nun, wenn das ZDF keinen Bock auf die Pointe hat, dann lüften wir jetzt eben die “kleinen Geheimnisse” von Helene Fischer, die da lauten:

1. Sie mag Rinderfilet.
2. Sie nimmt sich kleine Auszeiten.
3. Sie trinkt gerne mal eine heiße Tasse Tee.
4. Auf Reisen hat sie immer eine Jogginghose dabei.
5. Die 60er-Jahre findet sie klasse.
6. Sie engagieret sich für Eisbären.
7. New York ist für sie immer eine Reise wert.

Wäre das geklärt.

Also zurück zu Lanz. Dort wird Helene Fischer jetzt ein bisschen grundsätzlicher:

Helene Fischer: Du, da steht ja ständig, eigentlich, immer was Neues in der Presse. Und ich wundere mich auch immer wieder, was so alles mit mir passiert. Natürlich darf man das — und das sage ich auch immer wieder sehr, sehr gerne — bitte nicht alles glauben! Weil das ist eigentlich zu, naja, du weißt es selbst, zu neunundneunzig Prozent …

erstunken und erlogen, wollte sie wohl sagen. Aber da hatte Lanz (jetzt voll im Lanz-Modus) schon die nächste Frage gestellt:

Was ist denn die abenteuerlichste Geschichte, die du je über dich gelesen hast?

Helen Fischer: Oh Gott. Da gibt’s ja jede Woche abenteuerliche Geschichten. Aber zum Beispiel fand’ ich sehr lustig, gerade in Bezug auf mein neues Album: “Das Baby ist da!” [Pause] Wusste ich ja auch nicht, aber es ging natürlich um das neue Baby “Farbenspiel”, mein neues Album.

Markus Lanz: Nein!

Helen Fischer: Doch!

Markus Lanz: Dann macht man daraus “Das Baby ist da!”?

Helene Fischer: Richtig. Weil ich auf Facebook gepostet habe: Mein neues Baby “Farbenspiel” ist da, mein Album, ich freu’ mich total, und und und. Naja, und dann ist dann halt sowas raus geworden.

Aufmerksame topfvollgold-Leser wussten natürlich gleich, um welche Geschichte es sich dabei handelt.

Tja, und damit endet der kleine “Wetten, dass..?”-Talk über die Regenbogenpresse auch schon. Ach ne, Lanz noch mal:

Ich hatte auch mal ‘ne schöne Geschichte. Ich hab’ irgendwo mal erzählt, bei irgendner Tour irgendwo im Eis hatte ich so leichtes Herzstolpern, und dann kam die Schlagzeile: Markus Lanz – Das Herz, Ausrufezeichen.

Helene Fischer: Todkrank, oder?

Markus Lanz: Todesangst, Ausrufezeichen. Und dann darunter die schöne Frage: Endet er wie Roy Black?

Na, wenn Ihnen das schon gefallen hat, Herr Lanz, dann schauen Sie sich doch mal ein bisschen bei uns im Blog um, da werden Sie noch auf so manche schöne Schlagzeile stoßen. Die dürfen Sie dann auch gerne in der nächsten Show zeigen. Wir finden es nämlich, und das ist jetzt ganz ernst gemeint, wirklich super, dass Sie das Thema in der Show angesprochen haben. Kritik an der Regenbogenpresse — und das am Samstagabend zur Primetime im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Vor einem halben Jahr hätten wir nie geglaubt, dass dieses Thema jemals eine solche Aufmerksamkeit bekommen würde.

Aber noch schöner, liebe “Wetten, dass..?”-Redaktion, wäre es, wenn Ihr beim nächsten Mal Eure Quellen nennt. Oder wenn Ihr einfach kurz fragt, bevor Ihr Euch an unserer Arbeit bedient.


Nachtrag, 8. Oktober, 17:39 Uhr:
Wir haben gerade eine Mail aus der Chefredaktion der “Woche Heute” (Pabel Moewig Verlag/Bauer Media) bekommen, die wir hier gerne vollständig zitieren …

Wie peinlich und Guttenberg-dreist ist das denn? Als Quelle genannt werden zu wollen für eine Schlagzeile, deren Urheber Ihr bekämpft…

Glaubt Ihr im Ernst, Promis hätten keine Ausschnittdienste und wären darauf angewiesen, bei Euch herumzustöbern?
Und jetzt fragt Euch mal: Wer hat Wetten dass..? nun eigentlich das lustige Gesprächsthema geliefert?

Wäre schön, wenn die Lässigkeit, mit der Lanz & Fischer das Ganze behandelten, Euch dazu bewegen könnte, einmal Eure humorlose Überheblichkeit etwas zu hinterfragen.

VOLKER KITHIL
Chefredakteur

WOCHE HEUTE
PABEL-MOEWIG VERLAG GMBH


Nachtrag, 8. Oktober, 21:30 Uhr:
Auch das ZDF hat uns geantwortet. Wir hatten uns dafür bedankt, dass die Regenbogenpresse bei “Wetten, dass..?” thematisiert wurde und gleich mal nachgefragt, warum die Redaktion unsere Ausrisse und unsere Recherchen benutzt hat, ohne eine Quelle anzugeben oder uns wenigstens kurz Bescheid zu sagen. Wir haben auch geschrieben, dass wir sie beim nächsten Mal gerne mit besonders schönen Ausrissen versorgen, solange sie sich vorher bei uns meldet. Die Antwort kam wenige Minuten später:

Lieber Herr Schönauer, lieber Herr Tschermak,

vielen Dank für Ihre Mail.

Tatsächlich haben wir uns am Samstag für unsere Sendung an Bildmaterial bedient, das wir auf Ihrer Seite gefunden haben. Wie in solchen Fällen üblich, ist von ZDF-Seite aus eine offizielle Rechteanfrage an die Lizenzgeber der Bilder und der Schlagzeilen erfolgt, in diesem Falle “Freizeit Live” und “Freizeit & Rätsel”. Wie Sie richtig schreiben, liegt die Lizenz daran nicht bei Ihnen, sondern bei den Zeitschriften. Da der angefragte Inhalt nicht originär auf Ihrer Seite liegt, hat Sie auf diesem offiziellen Weg deshalb auch keine Anfrage erreicht.

Das heißt aber nicht, dass wir Ihre Arbeit nicht schätzen. Im Gegenteil, Ihr Blog ist sehr gelungen und man merkt ihm die Arbeit und Liebe an, die darin steckt.

Danke deshalb für Ihr Angebot, vielleicht bekommen Sie ja bereits für die nächste Sendung einen Anruf von uns. Dann muss Ihre Arbeit nicht mehr “aus Versehen” erfolgen.

Liebe Grüße

Paul Wolff


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