William, Kate und volle Euter

William, Kate und volle Euter

Böses Blut macht ziemlich sicher auch vor Blaublütern nicht Halt. Und so mag man mit Fug und Recht behaupten, dass es auch bei Prinz William und seiner Kate durchaus mal Streit geben kann.

Das Problem für die Presse ist, dass diese ganz normalen Streitereien meist im Privaten bleiben und man nur anhand von äußerlich beobachtbaren Phänomenen keinen seriösen Artikel füllen kann.

Ein Glück, dass “Die Aktuelle” und “Das neue Blatt” mit Seriösität nicht viel am Hut haben, darum ist ihnen auch ein toller Coup gelungen: Das eine Blatt schreibt über Kate, das andere über William. Denn beide haben voreinander Reißaus genommen, praktisch gleichzeitig.

Das sieht dann so aus:

Exklusiv-Fotos! Kate - Sie ist weg ... mit dem Baby! Ohne William in der Karibik! Erster Zoff in einer jungen Ehe - oder steckt mehr dahinter?

Gemein! Prinz William - Er ist einfach abgehauen

Widmen wir uns zunächst der einen Seite der Geschichte, Perspektive Kate. “Die Aktuelle” berichtet, dass die nämlich nicht nur mit Baby George abgehauen, sondern vielmehr “auf der Flucht” sei – Richtung Karibikinsel Mustique. Ein wenig doof für die Redaktion, dass anstatt eines prima verwurstbaren love interest nur Kates Bruder James mitgekommen ist.

Auf den gezeigten Fotos wirkt Kate aber ausgesprochen gelassen und lächelt sogar. Man könnte nun vom Naheliegendsten ausgehen: Sie fliege eben in einen Kurzurlaub, während ihr Mann zu tun hat. Der ist nämlich neuerdings Student an der Cambridge University, in einem eigens für ihn entworfenen Zehn-Wochen-Agrarmanagement-Kurs, wie auch bei BBC News zu lesen ist.

Oder aber man inszeniert es, wie “Die Aktuelle”, als Flucht vor dem Terror des royalen Ehelebens:

Aus dem Kensington Palast dringen immer mehr Informationen. Offenbar gab es in den letzten Wochen mehrmals heftigen Streit. Sogar am 9. Januar, Kates Geburtstag, weil William zu spät nach Hause gekommen war, um noch mit ihr zu feiern. […] Kates Mutter Carol plante [außerdem], ihren 59. Geburtstag auf Mustique zu feiern und Kate bat William, mit ihr mitzufliegen. Er kann aber sein Studium nicht einfach unterbrechen und so gab es offenbar tränenreiche Diskussionen.

Ein Agrar-Intensiv-Student an einer Elite-Uni hat für solche Kinkerlitzchen schlicht keinen Platz im Stundenplan.

Doch gerade als wieder Ruhe eingekehrt war, platzte die nächste Bombe. Königin Elizabeth befahl Kate eine Kleiderordnung. […] Für Kate muss es ein Schock gewesen sein, was die Queen verlangt

Auch das noch. Aber woher weiß das Blatt denn diese höchst privaten Details? “Die Aktuelle“, immer im Kampf für die Anonymität der Zeugen, nennt keine Zeugen. Alles ist “offenbar”, und so platzt der Kensington Palast vor herausdrängenden Informationen. Obwohl man vermuten könnte, der Informant sei der royale Vorkoster, denn:

Als William letzte Woche Freitag abends nach Hause kam, fand er einen Brief in der Küche: “Bin in der Karibik”, musst [sic!] er da lesen. Was für ein Schock. Ist jetzt alles aus?

Ein Brief also. Auf der königlichen Küchenzeile. Das Protokoll einer Ehehölle.

Doch wie sieht das alles aus Williams Perspektive aus? Da kommen wir zum “neuen Blatt”. Schon im herrlich infantilen Titel ist für das Heft klar, wer hier den Lolli geklaut hat: William!

Stein des Anstoßes: Der treulose Hund William schläft neuerdings “nun auch noch in der Uni von Cambridge”, wo er, wie schon in “Die Aktuelle” erwähnt, Landwirtschaft studiert. Wie “gemein”! Dass schon im Vorfeld geplant war, William werde teilweise in Cambridge leben und nächtigen — das passt so gar nicht zum Vater, der seine Familie im Stich lässt, und wird verschwiegen.

Und so schlägt der Prinz sogar Geburtstage der Schwiegermutti aus und treibt die Frau Gemahlin an den “Rande des Nervenzusammenbruchs”! Da kann man als Ehefrau nur noch das Weite in der Karibik suchen. Zumindest wenn man die Zeichen so konsequent verquer liest wie die Regenbogenpresse.

Aber könnte William nicht einfach zu Hause bleiben, um erst gar keinen Stress aufkommen zu lassen? Nein, denn:

Er müsse morgens sehr früh aufstehen, um Kühe zu melken.

Aha, zehn Wochen lang in aller Herrgottsfrühe ran an die Euter.

Mal ehrlich, “Das neue Blatt”, glaubt ihr das tatsächlich selbst oder fandet ihr nur das Bild eines melkenden William so wunderbar ulkig? Und ob jetzt der Prinz, ein weiterer Informant oder die gemolkene Kuh die Quelle dieser Aussage ist — das wissen wohl nicht mal die Fantasten vom “neuen Blatt”.

Halten wir also mal fest, um was es in beiden Geschichten geht: eine Beziehung. Einen Reißaus-Studenten der Agrarwissenschaft. Eine Mutter auf der Flucht mit ihrem Kind. Und ein als Quasi-Abschiedsbrief inszeniertes Blatt Papier in der Rolle des Kronzeugen auf dem Küchentisch im Kensington-Palast — was für ein tolles “Reich und Schön”-Skript!

Oder: Was für ein hanebüchener Unsinn, der sich auf Quellen stützt, die wohl so sehr existieren wie lila Kühe.

Letztlich fühlt sich “Das neue Blatt” dann auch in die Seelenwelt von William ein und versteht, dass er im Grunde nur dem “häuslichen Stress” entflieht und ein “Schlupfloch” sucht. Anders ausgedrückt:

Endlich mal wieder das unbeschwerte Studentenleben genießen.

Genau, morgens, 5:30 Uhr, im Kuhstall der Fakultät.


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